17 Juni 2017

[Rezension]: "Empire of Ink. Die Kraft der Fantasie" von Jennifer Alice Jager (01)






Originaltitel: Empire of Ink. Die Kraft der Fantasie
Preis:      -     (Taschenbuch)
           € 3,99 (eBook)
Verlag: impress (Carlsen)
Erscheinungsdatum: 01. Juni 2017
Seitenanzahl: 313
Reihe: Band 1 einer Dilogie
Bewertung: **** (4.5) 








"Die ganze Welt um mich herum war der Spielplatz meiner Fantasie. Dinge, die mir als Kind noch Angst gemacht und Albträume bereitet hatten, waren mittlerweile zu meinem Geheimnis geworden und schreckten mich nicht mehr, sondern waren, ganz im Gegenteil, eine Zuflucht für mich. Die Welt, die ich sah, war wild, bunt und atemberaubend - das genaue Gegenteil zu der tristen, grauen Wirklichkeit.(Seite 11 *laut meinem Tolino)

**Wenn Tinte Magie birgt, wird Fantasie zur Wirklichkeit…** 

Die 17-jährige Scarlett hält nicht viel von Schule oder Verpflichtungen. Am liebsten verfolgt sie ihre eigenen Ziele und die bestehen zum größten Teil aus Träumereien. Schon immer hatte sie eine ungewöhnlich lebhafte Fantasie, für die sie oft belächelt wurde und die sie zu verstecken versucht. Bis Scarlett dem draufgängerischen Soldaten Chris Cooper begegnet, der ihr erklärt, dass ihre Fantasien Einblicke in die Wirklichkeit sind. Er erzählt von einem Reich, das durch die Kraft des geschriebenen Wortes erschaffen wurde und dessen Grundpfeiler die Magie der Tinte ist. Eine Macht, die mehr und mehr aus der Welt verschwindet…

Ein Friedhof voller Untoter
Oder wie man mit einem aufdringlichen Soldaten fertig wird

Es war einer jener Abende, an denen Schweigen mehr verletzte als jedes gesprochene Wort. 

Jeder, allen voran ihre eigene Mutter, hält die 17-jährige Scarlett für verrückt, weshalb sie niemandem von ihren Fantasien erzählt. Denn ihre Welt ist bunt, voller Farbe und lebendiger Fantasie. Wenn sie Rad fährt, sieht sie nicht die triste graue Straße, sondern muss Hindernissen ausweichen, die aus dem Erdboden schießen und sie verschlingen wollen. Sie kann Drachen am Kirchturm beobachten und vieles mehr. Ihr Leben lang dachte sie, sie hätte einfach nur eine lebhafte Fantasie. Doch eines Tages begegnet Scar Chris Cooper und seinen Männern, die einen sogenannten Ink verfolgen. Er erzählt ihr, dass alles was sie sieht, der Wirklichkeit entspricht und nimmt sie mit zum Gutenberg-Institution. Hier wird versucht die Ink's, die durch Risse zwischen den Welten in unsere Welt gelangen, wieder zurück zu schicken. Doch haben die Leute hinter der Organisation wirklich nur gute Absichten? Welche Geheimnisse werden vor Scarlett verborgen und was passiert, wenn die Fantasie komplett ausgelöscht werden würde?

Scarlett ist eine sehr starke Protagonistin. Sie war mir von Anfang an sympathisch mit ihrer aufmüpfigen Art und ihren Gedanken voller Fantasie. Scar hat kein allzu gutes Verhältnis zu ihrer Mutter, die ständig einen neuen Freund mit nach Hause bringt. Auch Freunde hat sie so gut wie keine. Deshalb sagt sie nicht Nein, als Chris Cooper sie mit auf das Gutenberg-Institut und somit weg von ihrer vertrauten Umgebung nimmt. Scar ist ein Madhead, was bedeutet, dass sie das Reich der Fantasie sehen und die Ink's verstehen kann. Ganz im Gegensatz zu fast allen anderen der Organisation. Doch so ganz vertrauen mag Scarlett dem Ganzen nicht und so beginnt sie schnell, alles zu hinterfragen. 
Über Chris Cooper erfährt man nicht allzu viel. Er war mir auch etwas unsympathisch, kalt und wie ein richtiger Soldat eben. Er befolgt strickt seine Befehle und hinterfragt nichts. Dafür habe ich die anderen Madheads, wie Finn, Jane oder Alfie sehr in mein Herz geschlossen. Es ist wirklich ein lustiger Haufen an Nerds, über die ich gerne noch mehr erfahren würde.

Dies war mein erstes Buch der Autorin und ihr Schreibstil ist wirklich etwas ganz besonderes. Zu Anfang passierte gar nicht so viel in der Handlung. Einführungen in die Protagonisten, in die beiden Welten und so weiter. Trotzdem war ich so gefesselt von dem Buch, dass ich doch tatsächlich drei Bahnstationen zu weit gefahren bin. Ich kann ihren Schreibstil kaum beschreiben. Er ist unglaublich flüssig, farbenfroh und man hat wirklich das Gefühl in der Geschichte drin zu stecken. Mit Worten Bilder malen? Kann Jennifer Alice Jager definitiv!
Die Geschichte ist komplett in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Scarlett geschrieben. Dadurch erlebt man ihre Fantasien und Gefühle noch viel mehr, auch wenn hierdurch die anderen Charaktere etwas verblassen. Diese bleiben tatsächlich etwas unklar und man erfährt nur sehr wenig über jeden einzelnen. 
Handlungstechnisch hält die Geschichte einige Überraschungen bereit, die ich mehr als begrüße und teilweise sogar weg vom Klischee gehen. Ich hoffe wirklich, dass die Fortsetzung hier weiter und nicht auf die alte Schiene zurück geht.

Die Idee hinter dem Buch ist wirklich genial und sehr fantasievoll. Was wäre, wenn es das Empire of Ink wirklich gäbe und hier ein Teil unserer geschriebenen Worte lebendig werden würden? Was wäre, wenn unsere Fantasie irgendwann einmal komplett ausgelöscht werden würde? Oder wenn es gar keine Bücher, sondern nur noch Digitalisiertes gäbe?
Der Auftakt dieser Reihe hat mich umgehauen, auch wenn zwischendurch etwas wenig an Handlung passiert ist. Dennoch bin ich einfach nur begeistert und kann die Fortsetzung kaum erwarten. Ich vergebe 4.5 Eulen.



Jennifer Alice Jager begann ihre schriftstellerische Laufbahn 2014. Nach ihrem Schulabschluss unterrichtete sie Kunst an Volkshochschulen und gab später Privatunterricht in Japan. Heute ist sie wieder in ihrer Heimat, dem Saarland, und widmet sich dem Schreiben, Zeichnen und ihren Tieren. So findet man nicht selten ihren treuen Husky an ihrer Seite oder einen großen, schwarzen Kater auf ihren Schultern. Ihre Devise ist: mit Worten Bilder malen.














Band 2: Empire of Ink. Die Macht der Fantasie (ET: 07. September 2017)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen