[Rezension]: "Gefährten" von Michael Morpurgo

15. Juni 2014






Originaltitel: War Horse
Preis: € 6,99 [D]
Ausgabe: Taschenbuch
Seitenanzahl: 176
Reihe: Einzelband
Bewertung: **** (4)
Verlag: Carlsen
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"Diese beiden Pferde sind durch die Hölle gegangen, um hierherzukommen - und sie sind die einzigen, die es geschafft haben. Es war nicht ihre Schuld, dass man sie umsonst durch die Hölle geschickt hat. Das sind keine Zirkustiere, das sind Helden verstanden? Helden, und so müssen sie auch behandelt werden." (Seite 73)


Wir schreiben das Jahr 1914 und Europa rüstet sich zum großen Krieg. Wie viele andere Tiere wird das Pferd Joey an die Armee verkauft. Es muss den heimatlichen Hof in England und seinen Freund, den Bauernsohn Albert, verlassen, um mit den Soldaten an die französische Westfront zu ziehen. Dort wird Joey Zeuge grausamer Kämpfe, findet aber in all der Trostlosigkeit auch Hoffnung und Fairness, sei es von englischer, französischer oder auch deutscher Seite. Doch Joey will nur zurück auf seinen Bauernhof - und zu Albert. Ob er ihn je wiedersehen wird?


„Meine ersten verschwommenen Erinnerungen kreisen um hügelige Felder und dunkle feuchte Ställe, in denen Ratten an den Dachsparren über meinem Kopf entlanghuschen.


Das Buch "Gefährten" von Michael Morpurgo beruht laut einer Vorbemerkung des Autors auf einer wahren Begebenheit. So hängt in Morpurgos altem Schulraum, der heute als Gemeindesaal dient, ein Ölbild von Joey, Protagonist der Story und Alberts Pferd. Die Geschichte hat sich zu Zeiten des ersten Weltkrieges im Jahr 1914 zugetragen, deshalb wird auch Joey von Alberts Vater verkauft, um den Engländern im Krieg zu dienen. 
Das Besondere an der Geschichte ist, dass sie aus Sicht des Pferdes, Joey erzählt wird. Zudem wurde sie in der Gegenwart verfasst, womit man sofort mitten im Geschehen ist. Nur an einigen Passagen denkt Joey an seine Vergangenheit zurück und an die Menschen, denen er besonders am Herzen lag.
So wird er zunächst von Alberts Vater an den Engländer Captain Nicholls verkauft, welcher auch das oben genannte Ölbild gemalt hat. 
Während seiner "Reise" gelangt Joey in die Hände der Deutschen, aber auch in die von den Franzosen und wieder in die der Engländer zurück.
Immer an seiner Seite ist der schwarze Wallach Topthorn, welchen er in seiner ersten Schlacht kennen lernt. Beide geben sich gegenseitig Kraft und Wärme, sodass sie gemeinsam den harten Winter überleben.
Meiner Meinung nach zeigt dies, dass man doch einiges schafft, wenn man nur jemanden an seiner Seite hat, der einen Trost und Kraft spendet.
Aufgrund dessen, dass Joey und Topthorn einige Schlachten als einzige überleben, werden sie oftmals als Wunderpferde oder Helden betitelt. So geben sie den Soldaten die Hoffnung den Krieg zu überleben und nach Hause zu ihren Familien zurückzukehren zu können. 
Auf ihrem Weg durch Frankreich erleben beide Pferde Hoffnung und Frieden, aber auch Unglück und Zerstörung. Vor allem wird deutlich, dass (natürlich) die Pferde, aber insbesondere viele Soldaten gar nicht Wissen, warum sie überhaupt Krieg gegeneinander führen. 
Eine Textstelle, in der besonders die Loyalität der Menschen gegenüber anderen deutlich wird, ist als Joey mitten im Niemandsland zwischen zwei Kriegsgräben im Drahtzaun gefangen ist. Überraschend war für mich, dass die Engländer und Deutschen zwei Stunden Waffenstillstand vereinbaren, nur um Joey zu retten.


"Ich riss gerade die letzten Grashalme aus, als ich aus den Augenwinkeln einen Mann in grauer Uniform aus dem Graben klettern sah, der eine weiße Fahne über dem Kopf schwang. Ich blickte auf und nun knipste er sich geschickt einen Weg durch den Draht und zog ihn beiseite. Unterdessen hörte man von der anderen Seite lautstarkes Schimpfen und verblüffte Schreie; bald kam eine kleine Gestalt mit Helm und flatterndem Khakifeldmantel ins Niemandsland hochgeklettert. Auch dieser Soldat hatte ein weißes Taschentuch in der einen Hand und bahnte sich nun einen Weg durch den Draht zu mir." (Seite 124)


Ich muss zugeben, dass wir in der Schule (leider) nie den ersten Weltkrieg durch genommen haben und ich gar nichts über diesen weiß.
Deshalb werde ich auf jedenfall dieses Jahr noch in das "Deutsche Historische Museum" nach Berlin fahren und mir die Ausstellung über den ersten Weltkrieg anschauen. (1914-1918 Der erste Weltkrieg; 29. Mai bis 30. November 2014) 
*hier ist mal ein Link dazu*
Und wer weiß, vielleicht schaue ich mir ja auch in dem Zusammenhang das Musical zu "Die Gefährten" im Theater des Westens an. Ein Traum von mir wäre das jedenfalls :)
*natürlich auch hierzu der Link*

Mir hat der Kriegsroman sehr gut gefallen, auch wenn ich noch nicht sehr viele Bücher aus diesem Genre gelesen habe und schon gar nicht vom ersten Weltkrieg. Und auch eine Geschichte aus Sicht des Pferdes hat es bei mir noch nicht gegeben. Aufgrund der tollen Umsetzung bekommt der Roman von mir 4 von 5 Eulen :)

Michael Morpurgo, 1943 in London geboren, ist Autor von über 90 Büchern, von denen viele preisgekrönt sind. Er wurde 2003 für sein außergewöhnliches literarisches Schaffen zum Children's Laureate in England nominiert. 
Michael Morpurgo arbeitete lange Zeit als Lehrer, bevor er zusammen mit seiner Frau das Projekt "Bauernhöfe für Stadtkinder" ins Leben rief. Heute existieren drei dieser Bauernhöfe, auf denen Stadtkinder das Landleben erfahren können. Michael Morpurgo hat selbst drei Kinder und mehrere Enkelkinder und lebt mit seiner Frau im englischen Devon.


Ich habe den Film vor 2 Jahren im Kino geschaut und war/bin begeistert. Meiner Meinung nach handelt es sich hier um eine sehr gute Buchverfilmung, da sich alles, bis auf das Ende, sehr ähnelt. Es wird sogar deutlich, dass die Geschichte aus Sicht des Pferdes erzählt wird und welche Höhen und Tiefen es im ersten Weltkrieg durchlebt. 
Deshalb hat es mich vor allem emotional berührt und auch die tiefe Freundschaft zwischen Menschen und Pferden herübergebracht. 
"Gefährten" in der filmischen Version ist also etwas für diejenigen, die keine Lust haben das Buch zu lesen, die es noch lesen wollen oder schon gelesen haben. 


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